Kennst du das vielleicht auch?
Ich war mit einigen netten Leuten zusammen und die Unterhaltung entwickelte sich nach einiger Zeit dahin, dass das Thema unsere Lage in Deutschland wurde, was hier alles schiefläuft und nichts mehr so richtig klappt. Jeder hatte noch ein Beispiel und noch eins und bei mir entwickelte sich mehr und mehr ein Unbehagen. Es war zuerst nett, aber nun wollte ich mich lieber verabschieden. Habe ich dann auch getan.
Ich habe dann einer lieben Weggefährten von mir davon erzählt und gesagt, dass ich zu solchen Gesprächen gar keine Lust mehr habe. Sie sagte, dass sie das anders sehe. Das sei doch einfach menschlich, das wäre doch einfach nun mal so.
Hm, habe ich gedacht, irgendwie empfinde ich das anders.
Erstmal merkte ich aber, dass ich meinem Unbehagen nicht nachgegangen war. Ich hatte es als Reaktion auf einen störenden Einfluss von außen betrachtet und mich gar nicht erinnert, dass ich mich um meine Reaktion zu kümmern habe. Das habe ich nachgeholt und hingefühlt: was steckt denn in meinem Unbehagen drin, wenn erzählt wird, wie schlecht das hier alles läuft? Ich fühlte sofort ein Gefühl von Ohnmacht, nichts ändern zu können und etwas weniger stark, aber doch spürbar auch Angst, dass das immer schlimmer wird und wo das hinführen mag. Ärger auch noch, weil ich mich mit diesen Energien beschäftigen musste.
Okay – noch eine Menge Gefühle, die gefühlt werden wollten, um sie dann loslassen zu können und bei solchen Gesprächen bei mir und im Frieden bleiben zu können.
Aber immer noch die Frage: ist das nun einfach menschlich, sich über alles zu unterhalten, was nicht okay ist, aber durch das Gespräch nichts verändert werden kann und wird? Wie fühlt man sich denn nach so einem Gespräch? Vielleicht fühlt es sich für manche kurzfristig entlastend an, aber da es ja nichts ändert, führt es doch letztlich wieder zur Ohnmacht, Angst, Ärger oder zu anderen negativen Gefühlen oder?
Natürlich gehört das zum Menschsein im Moment noch dazu, dem würde ich nicht widersprechen, sonst wäre es ja nicht so, aber „einfach menschlich“ hieße ja, dass es wirklich zutiefst dazu gehört und sich nicht ändern kann. Und genau das sehe ich anders. Ich glaube, dass wir merken können, dass uns das nicht gut tut, dass die ausgelösten Gefühle sich nicht gut anfühlen und dass wir gucken können und wählen können, welche Form von Gesprächen tut mir denn gut? Was im Leben tut mir denn gut? Uns immer mehr danach ausrichten. Auf das, was sich gut anfühlt. Dann merken wir nämlich, dass wir gar nicht so ohnmächtig sind, wie wir immer dachten, sondern dass wir in der Lage sind, ganz viel positiv zu beeinflussen.
Von Herzen, Susanne










