Was ich wirklich, wirklich will…und das „Wir“

Susanne • 20. Januar 2026

Ich erlebe im Moment bei mir und in meinem engeren Umfeld, dass wir alle danach streben, immer mehr zu uns selbst zu kommen, uns treu zu sein oder zu werden, keine faulen Kompromisse den anderen zuliebe mehr zu machen, eine Zentrierung auf die eigene Mitte, eine Ausrichtung auf die eigene Wahrheit. Ein klares „Ja“ zu sich selbst und ein klares „Nein“ zu dem, was sich nicht oder nicht mehr richtig anfühlt.

Hm…ist das der alte Egoismus, der uns so lange begleitet hat und der in der Welt ja durchaus weiterhin in vielen Feldern in heftiger Form wahrzunehmen ist? Ich empfinde es anders, dieses neue „Bei-sich-Sein“ richtet sich nicht gegen etwas, sondern ist f ü r einen selbst. Das ist ein entscheidender Unterschied. Der alte Egoismus ist meist gegen etwas gerichtet und es ist einem egal, wie es dem anderen oder der Welt dabei geht oder man hat Schuldgefühle und um die zu verdrängen, macht man sich innerlich umso härter. In der neuen „Einzigartigkeit“ des Seins „sieht“ man trotzdem den anderen. Es schwingt oft ein Gefühl von Verständnis und Mitgefühl für die anderen mit, d.h. es gibt eine Bewusstheit in Bezug auf das eigene Sein und Tun. Und vielleicht noch mitschwingende negative Gefühle – der Schatten - werden angesehen und integriert.

Diese „Einzigartigkeit“, die wir gerade suchen und zunehmend finden, entspricht auch dem, wie wir angelegt sind, einzigartig in unserer DNA, der Iris, dem Fingerabdruck, dem Haar…Ich habe gelesen, dass es auch sonst in der Welt so sei, dass noch nicht mal Grashalme sich alle gleichen.

Und doch spielt alles in der Orchestrierung des Lebens zusammen, um die Trennung zu überwinden und etwas Größeres, eine Symphonie des Ganzen entstehen zu lassen. Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile (Aristoteles). Und paradoxerweise, aber wahrnehmbar, wird die Fähigkeit und der Wunsch der Menschen, je bewusster sie sich „einzigartig“ in dieses Konzert einbringen, gleichzeitig immer größer, sich auch für die Gemeinschaft zu engagieren.

Alles beginnt sich zu ergänzen, zu befruchten, zu bewegen…. es entsteht ein grandioses „Wir“.

So ist es auch in der Musik „Wahre Harmonie entsteht nicht automatisch beim Singen verschiedener Stimmen, sondern erst dann, wenn während des Singens jede Stimme auf die andere hört und versucht im Ganzen aufzugehen. Wichtig ist hierbei jedoch, dass man bei der eigenen Stimme bleibt.“ (Hervorhebung von mir) (Wali van der Zwan, Sifat 3/2025, S. 18)

Da ich gerne singe, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie leicht man sich in die andere Stimme hineinziehen lässt, statt bei der eigenen zu bleiben. Aber wenn es funktioniert, dann wird es zu einer ganz besonderen erfüllenden Komposition. Und so wird es auch mit uns werden. Unsere Einzigartigkeit in Bewusstheit lässt uns dieses ganz neue „Wir“ kreieren. Wir werden „Mitwirkende …bei der Entstehung einer neuen Schöpfung…“ (Jwala u. Karl Gamper)

Herzlich, Susanne

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